Apokalypse Münsterland: Ein Projekt von Museen und

Ausstellungshäusern im Münsterland

 

Was wäre, wenn morgen die Welt unterginge – genauer: das

Münsterland? Was würdest du retten und warum?

 


DIE
ZUKUNFT
BRAUCHT
DICH!

Ein SOS aus der Zukunft hat das Museum Abtei Liesborn erreicht:

 

„Wir brauchen eure Hilfe!

Unsere Gesellschaft steht kurz vor dem Kollaps.

Unsere Welt – die Welt der Zukunft – ist vollständig digitalisiert.

Wir haben unsere Kultur verloren! Wir sehnen uns nach Vielfalt.

Wir haben Angst, uns in der digitalen Leere zu verlieren!

Wir schicken diesen Hilferuf in die Vergangenheit - zu euch.

Denn unsere Wissenschaftler haben in eurer Zeit kulturelle Vielfalt entdeckt.

Kunst, Artefakte, Literatur, Objekte, Ideen, Konzepte, Schätze!

Wir bitten euch: Schickt uns Kultur!

Wir wollen erfahren, was euch wichtig ist.

Was euch bewegt.

Was ihr bewahren wollt.

Bitte helft uns! Bitte macht mit!“

 

Jetzt seid ihr gefragt!

Welches Kulturgut wollt ihr durch Raum und Zeit schicken?

Wählt hier und jetzt, was ihr bewahren wollt!

Eure Auswahl wird Teil einer neuen Ausstellung

und tourt im Sommer 2019 durch das Münsterland.

Abstimmung

Abbildung

Infos

Text

Pietà

Westfalen um 1440

Lindenholz, barocke Farbfassung teilweise freigelegt, 93 x 56 x 32 cm

Inv.-Nr. 81/614

Plastische Andachstbilder in Gestalt der Pietà entstanden im deutschsprachigen Raum seit der Zeit um 1300. Sie stehen im Zusammenhang mit der wachsenden Bedeutung der Passionsfrömmigkeit. Die „Liesborner Pietà“ zeigt eine stille und verhaltene Trauer. Sie dient dem andächtigen Betrachter als Vorbild für eine kontemplative Betrachtung des Leidens Christi. Möglicherweise war die Pietà als Vesperbild in der Abteikirche aufgestellt und diente den Mönchen zur Vergegenwärtigung und Veranschaulichung des Abschieds der Mutter Gottes i gleichnamigen Stundengebet – der Vesper.

Meister von Liesborn

„Ohnmacht Mariens“, um 1480

Öl/Tempera auf Holz, 91 x 74 cm

Inv.-Nr. 84/533

Bei dem Tafelbild „Ohnmacht Mariens“ handelt es sich um ein Fragment einer Kreuzigungsszene. Die Tafel diente wohl als Mittelbild eines Altaraufsatzes der Liesborner Kirche und stammt von der Hand des sogenannten Meister von Liesborn. Die malerische Qualität zeigt sich insbesondere an der feinmalerischen Behandlung der Gesichter, aber auch an Details wie der Transparenz des Schleiers der Maria Magdalena. Die Überarbeitung des Gemälde in späterer Zeit zeigt sich etwa an der in der Luft schwebenden Hand, die Marias Arm packt. Auch der Goldgrund ist Folge eine Übermalung des 19. Jahrhunderts.

Joost Cornelisz Droochslot (1586 Utrecht – 1666 ebenda)

„Vor dem Wirtshaus“, um 1640

Öl auf Leinwand, 73 x 93,5 cm

Inv.-Nr. 87/58

Männer und Frauen, alt und jung, haben sich am späten Nachmittag „Vor einem Wirtshaus“ eingefunden. Scheinbar unbeschwert geben sie sich unter freiem Himmel Trunk und Spiel hin. Der in Utrecht tätige Künstler Joost Cornelisz Droochsloot malte in den 1640er Jahren zahlreiche Genreszenen. Diese können durchaus als Mahnung verstanden werden, Maß zu halten und dem Laster des Trinkens und Spielens abzuschwören.

Pieter van Lint (1609 Antwerpen – 1690 ebenda)

„Die Überführung der Bundeslade durch den singenden und tanzenden König David“, um 1650

Öl auf Kupfer

84 x 102 cm

Inv.-Nr. 88/73 E

Tanzend und jauchzend zeigt sich die Personengruppe um König David in dem Gemälde „Die Überführung der Bundeslade durch den singenden und tanzenden König“. Über den Einzug der Bundeslade in die Stadt Jerusalem nach der Eroberung durch das Heer Davids berichtet der Prophet Samuel in seinem 2. Buch (6,12 - 16). In seinem Spätwerk widmete sich Pieter van Lint, dem das Werk zugeschrieben wird, häufig biblischen Themen. 

Jacob de Wit (1695 Amsterdam – 1754 ebenda)

Bildnis des Liesborner Abtes Gregor Waltmann (1698-1739), 1716

Öl auf Leinwand

192 x 150 cm

Inv.-Nr. 82/421

Das repräsentative „Bildnis des Liesborner Abtes Gregor Waltmann (1698-1739)“ malte laut Signatur der niederländische Meister Jacob de Witt. Der Abt sitzt in festlichem Ornat auf einem schräg in den Raum gestellten Lehnstuhl. Die Kleidung sowie Standkreuz und goldene Mitra auf dem Beitisch verweisen auf die hohe geistliche Stellung des Dargestellten. Dabei entstand das qualitätvolle Bild wohl nicht auf Weisung Waltmanns, sondern im Auftrag eines in Amsterdam ansässigen Familienangehörigen. Als Zeugnis der Familiengeschichte verblieb das Bild über Generationen in Holland und kam erst 1971 als Schenkung in den Besitz des Museum.

„Wilde Männer“ als Wächter der Waltmann-Treppe

Südflügel der Abtei Liesborn, nach 1725

Eichenholz, Spuren von Farbresten unter der Lackierung

Ohne Inv.-Nr.

Abt Gregor Waltmann (1698-1739) modernisierte nicht nur Kirche und Kloster im Sinne des Barock, sondern plante für sich auch eine ansehnliche Abtresidenz. Ab 1725 wurde zunächst der Südflügel der Abtresidenz errichtet. Wer hier den Treppenaufgang zu den im Obergeschoss liegenden privaten Gemächern des Abtes nutzte, musste unweigerlich an den zwei Treppenwächtern vorbeigehen. Diese „Wilden Männer“, dem Waltmannschen Familienwappen entlehnt, befinden sich noch heute an ihrem ursprünglichen Platz am Aufgang und in der Mitte der alten Treppe.

Heinrich Schilking (1815 Warendorf – 1895 Oldenburg)

Die Fronleichnamsprozession verlässt die Stromberger Kreuzkirche, um 1860

Öl auf Leinwand, 56 x 77,5 cm

Inv.-Nr. 08/2 E

Die Wallfahrt zum hl. Kreuz in Stromberg ist neben Telgte die bedeutendste Wallfahrt im Kreis Warendorf. Dass der in Warendorf aufgewachsene Maler Heinrich Schilking eine Prozession in Stromberg malte, verdeutlicht die Ausstrahlung des Ortes in die Region. Das Gemälde zeigt die im 13. Jahrhundert erbaute Kreuzkirche hinter mächtigen Eichen. Rechts im Bild steht die 1842 nach einem Sturm eingestürzte Ruine des Nagelschen Hofes. Aus der Kirche strömt eine lange Frohnleichnamprozession angeführt von Veteranen des Befreiungskrieges. Ihnen folgen Kommunionkinder und das Sakrament, beschirmt von einem Baldachin. Weitere Gläubige betrachten die Prozession, die heute noch genauso aussieht.

Max Liebermann (1847 Berlin – 1935 ebenda)

Reitknecht am Strand nach rechts, 1902

Öl auf Pappe, 38 x 45 cm

Inv.-Nr. 11/16 E

Das Gemälde „Reichtknecht am Strand nach rechts“ entstand 1902, als Max Liebermanns impressionistische Malerei einen Höhepunkt erreichte. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sah sich Liebermann wegen seiner jüdischen Herkunft gezwungen, das Amt als Präsident der Preußischen Akademie der Künste abzugeben. Das Bild kam 2011 als Stiftung zur Erinnerung an Hermann Johenning (1881-1949), Bürgermeister der Stadt Oelde, und seiner Frau in den Besitz des Museums.

Karl Himmelstoß (1872 Breslau – 1967 München)

Junge Frau in westfälischer Tracht mit Rosenkorb im Arm, 1909 / 1911

Porzellan, H. 26 cm

Inv.-Nr. 14/15 E

Im Zuge der Heimatbewegung Ende des 19. Jahrhunderts werden zahlreiche Heimatvereine gegründet. Diese zielen inbesondere auf den Erhalt und die Pflege regionaler Traditionen und Bräuchen ab. Auch die aufkommenden Trachtenvereine lassen das Tragen von Heimat- und Volkstrachten wieder aufleben.

Der Entwurf für die „Junge Frau in westfälischer Tracht mit Rosenkorb im Arm“ stammt von dem Porzellanbildner Karl Himmelstoß. Ausgeführt wurde die Figur von Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin

Wilhelm Morgner (1891 Soest – 1917 gefallen in Westflandern)

„Kreuzigung III“, 1914

Tuschepinselzeichnung, 18,5 x 27 cm

Inv.-Nr. 86/112 E

Der bleiche Körper Christi überstrahlt die unübersichtliche, in tiefem Schwarz gehaltene Szenerie auf dem Berg Golgatha. Im Hintergrund des Geschehens lassen sich die beiden gekreuzigten Schächer ausmachen, im Vordergrund ragen die Lanze und der Stab mit Essigschwamm hervor. Christus und die sich verdunkelnde Sonne dominieren die Zeichnung. Wilhelm Morgner geht weiter als andere Künstler des Expressionismus, die die Passion Christi als ein Sinnbild der leidenden Menschheit und der missverstandenen Künstler sehen. Seine Christusidentifikation hing mit seinem Gedanken des Selbstopfers des schaffenden Künstlers zusammen.

Heinrich Gerhard Bücker (1922 Vellern – 2008 ebenda)

Kaiser Heinrich III. zu Pferde, nach 1977

Bronze, 36 x 34 x 14,4 cm

Inv.-Nr. 2018/273

Heinrich Gerhard Bücker gehört zu den ersten Mitglieder des 1952 gegründeten Kreiskunstvereins Beckum-Warendorf e.V. Anlässlich seines zehnten Todestages erhielt das Museum das Reiterstandbild Kaiser Heinrichs III. als Schenkung einer Beckumer Familie. Die Bronzefigur wiederholt eine Skulptur, die Bücker für das Chorgitter des Bremer Doms entworfen hat. Der Künstler fertigte zahlreiche Arbeiten mit religiöser Thematik und sorgte seit den 1950er Jahren für die Ausstattung mehrerer Kirchen, darunter auch des Petersdoms in Rom.


„Apokalypse Münsterland“ ist ein Kooperationsprojekt von Museen und Ausstellungshäusern, die digitale Vermittlungsmethoden und besucherorientierte Ansätze ausprobieren, um sich zukunftsfähig aufzustellen.

Das Projekt wird gefördert und unterstützt durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (Landesförderprogramm Regionale Kulturpolitik) und die Commerzbank-Stiftung.

 

www.apokalypse-muensterland.de