: Museumsfreunde auf Tour in das schöpferische Jahrhundert

Hagener Impuls zwischen Jugendstil und Bauhaus

Die Freunde des Museums Abtei Liesborn waren kürzlich zu Besuch in Hagen. Dort interessierten sie sich für den Jugendstil und den sogenannten „Hagener Impuls“. Diese Epoche ist untrennbar mit dem Namen Karl Ernst Osthaus verbunden (1874 – 1921). Er war zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur Museumsgründer, sondern vor allen Dingen auch ein wichtiger Mäzen und Kulturvermittler. Sein Wirken ist bis heute in Hagen eindrucksvoll nachzuvollziehen. Angefangen im attraktiven Hohenhof, dem Landhaus der Familie Osthaus, bis zum Osthaus-Museum, seinerzeit das erste Museum mit einer zeitgenössischen Sammlung (Folkwang-Museum).

 

Osthaus hatte damals den Belgier Henry van de Velde nach Hagen geholt, der den Hohenhof als Gesamtkunstwerk geplant und realisiert hat. Er hat das Wohnhaus aus einem Guss gestaltet bis hin zu den Möbeln, Wanddekorationen, Bodenbelägen und Lampen. Selbst das Geschirr und die Bestecke wurden in Abstimmung mit Osthaus gefertigt. Ausgesuchte Kunstgegenstände, so von Ferdinand Hodler, Henri Matisse oder Jan Thorn-Prikker, zeichnen bis heute die Attraktivität des Hohenhofs aus.

 

1908 war das Osthaussche Landhaus bezugsfertig geworden. Es war als krönender Abschluss einer mit 16 Villen geplanten Bebauung konzipiert. Osthaus hatte den holländischen Architekten J.L.M. Lauweriks beauftragt, ganz in der Nähe die Künstlerkolonie Hohenhagen zu realisieren, die zwischen 1910 und 1914 entstand. Die Peter Behrens-Villa Cuno, die der damalige Hagener Oberbürgermeister Willy Cuno bewohnte, gehören heute noch zum Villenbereich Hohenhagen.

 

Die Inneneinrichtungen des Hohenhofs haben sich die Museumsfreunde von dem wissenschaftlichen Leiter des Emil Schumacher Museums, Rouven Lotz, erläutern lassen. Lotz, ein profunder Kenner des Wohnhauses und Autor des Buches über den Hohenhof, hatte den Rundgang mit zahlreichen Anekdoten aus der Osthaus‘schen Familiengeschichte angereichert.

 

Nach der Besichtigung des Hohenhofs haben die Museumsfreunde das Osthaus Museum aufgesucht. Das ehemalige Museum Folkwang war von Carl Gérard entworfen worden, die Gestaltung der Inneneinrichtung stammte wiederum von Henry van de Velde. Es wurde 1902 eröffnet. Die international bedeutenden Werke der Sammlung Folkwang wurden nach dem Tode von Osthaus komplett mit dem Namen nach Essen verkauft. Bis heute ist das für viele Hagener ein Trauma, wie die Besucher beim Rundgang erfuhren.

 

Den Abschluss der Exkursion nach Hagen bildete der Besuch des Emil Schumacher Museums, in dem zurzeit unter anderem die Ausstellung „Bilder auf Porzellan“ von Emil Schumacher zu sehen ist, mit 57 bemalten Platten der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin. Der Vorsitzende der Museumsfreunde, Winfried Leiting aus Wadersloh, bestätigte, dass die rund 20 Besucher von den zahlreichen Eindrücken des Hagener Impulses begeistert waren.

 

Foto: Die Museumsfreunde vor dem Brunnen von George Minne

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