Digitale Ausstellung · Daniel Nikolaus Chodowiecki · Johann Christoph Rincklake

Chodowiecki x Rincklake. Freundschaft in Druck und Farbe.

Chodowiecki x Rincklake. Freundschaft in Druck und Farbe.

Anlässlich von Chodowieckis 300. Geburtstag lädt das Jubiläumsprojekt Chodowiecki 300 dazu ein, den Künstler und sein vielgestaltiges Werk neu zu entdecken. Die digitale Ausstellung des Museums Abtei Liesborn zeigt die Verbindungen zwischen dem Künstler Daniel Nikolaus Chodowiecki und seinem Schüler Johann Christoph Rincklake, der als westfälischer Porträtmaler Bekanntheit erlangte.

Künstler
Chodowiecki und Rincklake
Epoche
18. Jahrhundert
Technik
Druck und Malerei
Die Freunde

Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726-1801)

Geboren wurde Chodowiecki 1726 in Danzig als Sohn einer Kaufmannsfamilie mit polnischen, deutschen und hugenottischen Wurzeln. Nach dem frühen Tod seines Vaters zog er als Jugendlicher nach Berlin und arbeitete im Geschäft seines Onkels als Bemaler für Emailledöschen. Auch ohne akademische Ausbildung schaffte er den Aufstieg: Vom zeichnenden Kaufmann entwickelte er sich schnell zu einem der gefragtesten Illustratoren der Aufklärung und schließlich zum Direktor der Berliner Akademie der Künste. Vor allem mit seinen druckgrafischen Arbeiten prägte er das Bild seiner Zeit wie kaum ein anderer. Seine Illustrationen begleiteten Romane, wissenschaftliche Werke und moralische Erzählungen und machten ihn bereits zu Lebzeiten weit über Berlin hinaus bekannt.

Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726-1801)
Daniel Nikolaus Chodowiecki · Der groszmütige Räuber · Radierung auf Papier · 8,5 x 5 cm · aus "12 Blätter zu sechs Fabeln und sechs Erzählungen von Gellert"
Erster Abschnitt

Gegenseitige Wertschätzung

Chodowiecki scheint ein freundschaftliches, geradezu väterliches Verhältnis zu Rincklake gepflegt zu haben. Mehrere Briefe machen deutlich, dass sich Chodowiecki dem jungen Rincklake annahm, ihm seine Kunst lehrte und die beiden auch nach Rincklakes Wanderjahren in Kontakt blieben. In Briefen an seinen Künstlerkollegen Anton Graff (1736-1813) erwähnt Chodowiecki Rincklake mehrfach in zugeneigter Weise und auch Rincklake schreibt in einem Brief:

Vorgestern wahr der liebe H. Dierecktor Chodowiecki über drey stunden bey mir!

Johann Christoph Rincklake · Brief

Chodowiecki war von Rincklakes Talent überzeugt und ermöglichte ihm die Teilnahme an der Kunstausstellung der Berliner Kunstakademie. Rincklake war dort mit elf Werken vertreten, was vergleichsweise viele Arbeiten darstellte und auf das Zutun des Direktors zurückzuführen ist. Eines dieser elf Werke ist Rincklakes hier zu sehende Teilkopie nach Raffaels Sixtinischer Madonna.

Johann Christoph Rincklake · Teilkopie nach Raffaels Sixtinischer Madonna · 19. Jahrhundert · Öl auf Leinwand · 94 x 71,5 cm
Zweiter Abschnitt

Ton des Herzens

Rincklake schrieb sich nie für eine Ausbildung in der Malerei bei einer Kunstakademie ein. Umso wertvoller war für ihn deshalb seine Verbindung zu Daniel Chodowiecki, von dem er das Zeichnen von Figuren und die Wiedergabe menschlicher Anatomie lernte. Vor allem Rincklakes Porträts sind von der von Chodowiecki geprägten Malerei beeinflusst. 

Chodowiecki stellt zwar Themen dar, die dem zeitgenössischen Geschmack und der Epoche entsprachen, doch neu war seine Empfindungsweise dieser Themen: Der „Ton der Herzen“ umgibt seine Werke in einer neuen Art und Weise. Beeinflusst wurde er dabei von bürgerlicher Literatur, zu der er, als Buchillustrator, eine enge Verbindung hatte. Chodowiecki inspirierte Rincklake dabei, zu einem freien vielfältigen Gestalten und Aussprechen seiner Empfindungen. Besonders stark lässt sich dieser Einfluss bei Rincklakes Porträts bürgerlicher Personen spüren.

Daniel Nikolaus Chodowiecki · Die einfältige Buttermacherin · Radierung auf Papier · 5,5 x 10,7 cm · aus: Das Basedowische Elementarwerk, Tafel LIV f (54 f).
Dritter Abschnitt

Vervielfältigung in Druck und Farbe

Die beiden Künstler verband die Vervielfältigung von Kunst – jedoch auf unterschiedliche Weisen. Chodowieckis Œuvre umfasst mehrere Tausend Arbeiten. Eine Vielzahl davon sind Illustrationen für unterschiedlichste Literatur, wodurch seine Werke in vielfacher Auflage verbreitet wurden. Die Werke wurden so für die breite Öffentlichkeit zugänglicher.

Anschauliches Lehrmedium

Fast 100 Kupferstiche entwickelte Chodowiecki für “Das Basedowische Elementarwerk. Ein Vorrath der besten Erkenntnisse zum Lernen, Lehren, Wiederholen und Nachdenken”. Hierbei handelt es sich um vierbändiges Lehrbuch von Johann Bernhard Basedow (1724-1790) aus dem Jahr 1774, das zu einem zentralen Werk der philanthropischen Pädagogik wurde. Die hier dargestellte Tafel untermalt im Kapitel IV.3. “Es ist mehr Gutes als Böses” die Verbindung zwischen Mensch und Nutztier.

Anschauliches Lehrmedium
Daniel Nikolaus Chodowiecki · Der Schlachter · 1774 · Radierung auf Papier · 8,3 x 10,6 cm · aus "Das Badedowische Elementarwerk" Tafel XXIVc.

Rincklake dagegen erstellte besonders in seinem Frühwerk Kopien großer Meister, unter anderem aus den Kurfürstlichen Galerien in Düsseldorf und Dresden. Das Interesse an Kopien war zu jener Zeit groß, sodass das Kopieren den damaligen Künstlern nicht nur als Übung diente, sondern auch als sichere Einnahmequelle.

Neben den großen Meistern kopierte Rincklake auch eine Vielzahl an Kupferstichen, sodass er sich im Laufe der Jahre eine eigene beträchtliche Sammlung an Kupferstichen zulegte. Zu seiner Sammlung gehörten alle Illustrationen von Chodowiecki, die ihm immer wieder ein Vorbild waren.

Johann Christoph Rincklake · Selbstbildnis im Atelier, Kopie nach Frans van Mieris d.Ä. · 1797 · Öl auf Leinwand · 70 x 50 cm
Chodowiecki300

Über diese Ausstellung.

Die digitale Ausstellung “Chodowiecki x Rincklake – Freundschaft in Druck und Farbe” sowie die gleichnamige Kabinettausstellung entstanden 2026 im Rahmen des Kooperationsprojekts Chodowiecki300: Anlässlich von Chodowieckis 300. Geburtstag lädt das Jubiläumsprojekt Chodowiecki 300 dazu ein, den Künstler und sein vielgestaltiges Werk neu zu entdecken. Museen, Archive, Bibliotheken und weitere Kulturinstitutionen in Deutschland und Polen treten dabei in einen gemeinsamen Austausch und eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf ein Œuvre, das europäische Zusammenhänge ebenso sichtbar macht wie lokale Bezüge und sich zugleich als historisches Zeugnis wie auch als überraschend gegenwärtig erweist.

Weitere Informationen und Partner des Kooperationsprojekts finden Sie auf der Website des Kooperationsprojekts und auf Instagram.

Bildrechte: Museum Abtei Liesborn / Kreis Warendorf · idee: Saskia timmas und Mara Woltering · Texte: Mara woltering

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Über diese Ausstellung.
Museum Abtei Liesborn

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