Digitale Ausstellung · Bernhard Witte · um 1500

Die Erfindung Westfalens.

Spätgotische Holzskulpturen vor einer Backsteinwand im Ausstellungsraum

Eine digitale Ausstellung zu Bernhard Wittes Historia Westphaliae und dem Kloster Liesborn um 1500 — der Zeit, in der ein Liesborner Mönch die älteste Darstellung einer „Geschichte Westfalens“ schrieb.

Epoche
um 1500
Hauptperson
Bernhard Witte
Objekte
13
Erster Abschnitt

Liesborner Blüte im Spätmittelalter.

Die Blütezeit des Liesborner Konvents ist vor allem mit den Namen zweier Äbte verbunden: Heinrich von Kleve (1464–1490) und Johannes Schmalebecker (1490–1522). Unter ihnen wurde das Kloster zu einem wichtigen Mitglied der benediktinischen Reformbewegung der Bursfelder Kongregation.

Aus den Rechnungsbüchern der Abtei geht hervor, dass große Summen für Bauten, Kunstwerke und die Bibliothek ausgegeben wurden. Kirche und Konvent wurden umfassend aus- und umgebaut. Die Förderung von Kunst und Wissenschaft zeigt sich nicht nur in den vom Meister von Liesborn gestalteten Tafeln für den Hochaltar — der enorme Ausbau der Klosterbibliothek dürfte auf die Initiative eines Mannes zurückgehen, der 1490 ins Kloster eintrat: Bernhard Witte.

Ausstellungsraum mit roten Stellwänden und gerahmten Werken
Objekt · Heiligkreuzaltar

Jakobus d. Ä. mit Stifterin.

Die Tafel ist ein Fragment des Heiligkreuzaltars der Liesborner Klosterkirche, dessen Teile sich heute im LWL-Museum für Kunst- und Kulturgeschichte (Münster) und der National Gallery (London) befinden.

Zu den Füßen des Heiligen — der im Nimbus als Sanct Jacobus Maior bezeichnet wird — kniet eine kleine, weibliche Stifterfigur in Ordenstracht, die nicht identifiziert werden kann.

Stilistische Differenzen zwischen den erhaltenen Fragmenten legen die Vermutung nahe, dass verschiedene Maler aus einer Werkstatt an dessen Entstehung beteiligt waren.

Schmale Tafel mit dem heiligen Jakobus in rotem Mantel, zu seinen Füßen eine kniende Stifterin
Meister von Liesborn · Jakobus d. Ä. mit Stifterin · Öl/Tempera auf Eiche · 118,9 × 39,2 cm · um 1480 · Inv.-Nr. 71/282
Karussell · Objekte 82/560–563

Architekturelemente.

Bei den Architekturelementen handelt es sich um Reste der gotischen Abteikirche aus der Zeit des Liesborner Abtes Johannes Schmalebecker. Unbekannte Werkstatt: Architekturelemente, Sandstein, um 1500, Inv.-Nr. 82/56x.

Sandsteinblock mit abgearbeiteter Oberfläche
Inv.-Nr. 82/560
Objekt · Leuchterpaar

Der Leuchterengel.

Der Engel ist Teil eines Leuchterpaares, das um 1520 von Abt Schmalebecker in Auftrag gegeben wurde. Es flankierte vermutlich einen der Altäre der Liesborner Klosterkirche. Der zweite Leuchterengel ist verloren.

Altarleuchter sind seit dem 12. Jahrhundert in Gebrauch. Bei der Verkündigung des Evangeliums symbolisiert ihr Licht die Anwesenheit Christi, der sich selbst als das „Licht der Welt“ bezeichnete (Johannes 8,12).

Unbekannter Künstler · Leuchterengel · Eichenholz · 87 cm · um 1520 · Inv.-Nr. 2024/64
Objekt · Skulptur

Christus im Elend.

Die Skulptur stellt den Moment vor der Kreuzigung dar. Christus sitzt nur mit einem Lendenschurz bekleidet auf einem Stein. Die gefesselten Hände sind in einer Klagegeste auf den Oberschenkel aufgestützt. Alttestamentliches Vorbild des Motivs ist der trauernde Hiob.

Das auch „Christus in der Rast“ genannte Bildthema beruht nicht auf den Passionsberichten der Evangelien, sondern entspricht einer Bildtradition, die am Ende des 14. Jahrhunderts entstanden ist.

Holzskulptur: Christus sitzt mit gefesselten Händen auf einem Stein, den Kopf in die Hand gestützt
Unbekannter Künstler · Christus im Elend · Eiche · 56 cm · zw. 1520–1530 · Inv.-Nr. 96/67
Themenkomplex

Eucharistische Frömmigkeit.

Die eucharistische Frömmigkeit wurde im Mittelalter bildhafter. Es genügte nicht mehr der Glaube, dass Christus in der vom Priester gewandelten Hostie anwesend ist — man wollte es vor Augen geführt bekommen. Der Priester erhob die Hostie nach den Wandlungsworten, damit die Gläubigen sie sehen konnten, und die Kunst erschuf Schau- und Tragegefäße (Monstranzen). Im Jahr 1264 wurde das Fronleichnamsfest für die Gesamtkirche vorgeschrieben.

Sonderelement · Hochaltar 1465

Rekonstruktion des Liesborner Altars.

Er [Abt Heinrich von Cleve] schmückte den Chor mit neuem, kunstvoll gearbeiteten Chorgestühl und er ließ den Chor selbst mit dem Hochaltar zu Ehren der heiligen Gottesmutter Maria und der heiligen Märtyrer Cosmas und Damian und des seligen Propheten Simeon, den Patronen des Klosters, im Jahr des Herrn 1465 am Tag der Heimsuchung der Jungfrau Maria zusammen mit vier anderen Altären der niederen Kirche weihen. Diese Altäre schmückte er aufwändig mit Bildtafeln, so mit Gold und Farben verziert, dass der Maler von diesen gemäß der Meinung von Plinius bei den Griechen als Künstler ersten Ranges gelten könnte […].

Bernhard Witte · Klostergeschichte

Dieser „Künstler des ersten Ranges“ ist heute bekannt unter dem Notnamen Meister von Liesborn. Sein Hauptwerk ist das um 1490 für den Hochaltar der Liesborner Klosterkirche geschaffene Retabel. Den Hochaltar sowie vier Nebenaltäre, für die der Liesborner Meister ebenfalls die Retabel schuf, ließ Abt Heinrich von Cleve bereits im Jahr 1465 weihen.

Die Altarbilder dienten der Verstärkung der Passionsfrömmigkeit in der Liturgie, die von der Bursfelder Reform besonders gefördert wurde. So verweisen die fliegenden Engel, die Messkelche zum Auffangen des Blutes Christi tragen, auf die Eucharistie.

Nach der Säkularisation der Abtei 1803 wurden die Tafeln zerteilt. Nur einige Fragmente und zwei vollständige Tafeln sind erhalten geblieben. Der Rest ist verschollen.

Dritter Abschnitt

Mönch und Chronist am Ende des Mittelalters.

Über das Leben von Bernhard Witte ist nur wenig bekannt. Er dürfte vor 1465 geboren worden sein, da er 1491 zum Priester geweiht wurde und zu diesem Zeitpunkt ein Mindestalter von 25 Jahren haben musste.

Nach eigener Auskunft stammte er aus Lippstadt; seine Eltern waren der Ackerbürger Johannes Witte und seine Ehefrau Lücke (Ludovica). Seine Mutter spendete 1497 eine Summe von 22½ Goldgulden für den Neubau der Liesborner Pfarrkirche und vermachte dem Kloster 1498 ihr gesamtes Eigentum in Lippstadt.

Seine Reisen nach Osnabrück und Braunschweig zeigen, dass Bernhard Witte nicht schon als Kind ins Kloster gegeben wurde. Beim Tod des Abtes Heinrich von Kleve (2. Juni 1490) war er Novize in Liesborn. Nach seiner Priesterweihe war er als Sekretär tätig — nahezu alle zwischen 1491 und 1531 ausgestellten Urkunden stammen aus seiner Feder.

1532/1533 erfahren wir von einer „besonderen Pflege“ des etwa 70-jährigen Mönchs, der wohl kurz darauf verstorben sein dürfte.

Einblicke

Die Ausstellung im Haus.

Ausstellungsraum mit Vitrine, Kamin und einem Gemälde darüber
Vitrine mit einem aufgeschlagenen Buch, dahinter ein grüner Vorhang
Spätgotische Holzskulpturen vor einer Backsteinwand
Credits

Über diese Ausstellung.

Diese digitale Ausstellung basiert auf der musealen Präsentation des Museums Abtei Liesborn zu Bernhard Witte und der Geschichte des Klosters um 1500.

Bildrechte: Museum Abtei Liesborn / Kreis Warendorf · Texte: Museum Abtei Liesborn · Quellen: Bernhard Witte, Historia Westphaliae · Rechnungsbücher der Abtei Liesborn · Ausstellungsbegleittexte.

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Museum Abtei Liesborn

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