Der Nachlass Anton Mormann (1851-1940) – Westfälisches Kunsthandwerk zwischen Historismus und Kulturkampf

Projekt im Rahmen des Forschungsvolontariats Kunstmuseen NRW 2026-2027

Das Museum Abtei Liesborn widmet sich im Rahmen des Forschungsvolontariats Kunstmuseen NRW 2026-2027 dem umfangreichen Nachlass des Bildhauers und Unternehmers Anton Mormann (1851–1940) sowie seiner Familie. Mormann war eine prägende Figur der „Wiedenbrücker Schule“, eines Netzwerks spezialisierter Werkstätten, das um 1900 in großem Umfang Aufträge zur Herstellung sakraler Kunst für nationale wie internationale Auftraggeber ausführte. Die Sammlung des Museums umfasst über 250 Skulpturen und Kunstgüsse, die aus den Werkstätten Mormanns hervorgingen, sowie zahlreiche Geschäfts-, Rechnungs- und Skizzenbücher, die den Entstehungsprozess der Werke detailliert dokumentieren. Ein besonderes Highlight stellen rund 700 Glasnegative dar, die wertvolle Aufnahmen von Kirchenausstattungen zeigen, die heute nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind.

Im Rahmen des Forschungsvolontariats wird der gesamte Nachlass systematisch erforscht und digitalisiert. Ziel ist es, die Kunstwerke und den Schaffensprozess von Anton Mormann und seiner Familie zu rekonstruieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies schließt auch die wissenschaftliche Publikation einer umfassenden Künstlerbiographie sowie die Digitalisierung der Kunstwerke, Fotografien und Archivalien ein. Die Ergebnisse werden nicht nur in der digitalen Sammlung des Museums veröffentlicht, sondern auch in die Deutsche Digitale Bibliothek und europäische Datenbanken eingespeist.

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ferdinand Ullrich von der Kunstakademie Münster durchgeführt, der mit seiner kunstgeschichtlichen Expertise (Kunst im öffentlichem Raum / Kunst und Bau) das Forschungsvorhaben begleitet. Weiterhin besteht eine Kooperation mit dem Museum Wiedenbrücker Schule in Rheda-Wiedenbrück. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts ist die geplante Organisation einer Fachtagung zum Thema „Historismus in Westfalen“, die als Plattform für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen des Forschungsvolontariats dient und den Austausch unter Fachleuten fördert.

Das Projekt trägt somit nicht nur zur vertieften Erforschung des Mormann-Nachlasses bei, sondern bereichert auch die Diskussion zur Bedeutung des Historismus in der westfälischen Kunstgeschichte.

Miriam Fortkord studierte Bild- und Kunstgeschichte im Bachelor sowie Kulturvermittlung im Master an der Universität Bielefeld. Während ihres Studiums sammelte sie vielseitige Erfahrungen im musealen Kontext. Derzeit schreibt sie ihre Masterarbeit in inhaltlicher Anlehnung an das Thema ihres Forschungsvolontariats. Seit Januar 2026 arbeitet sie als wissenschaftliche Volontärin und widmet sich 2026/2027 dem Forschungsvolontariat „Der Nachlass Anton Mormann (1851–1940)“.