Die Bibliothek der Benediktinerabtei Liesborn (1450–1550)

Das Dissertationsprojekt widmet sich der umfassenden Erschließung, Beschreibung und Analyse des Bibliotheksbestands der ehemaligen Benediktinerabtei Liesborn im Zeitraum von 1450 bis 1550. Aus dieser Zeit des Medienwandels, dem Übergang von Handschriften hin zum Buchdruck, sind sowohl Manuskripte als auch Inkunabeln und weitere Frühdrucke aus dieser Bibliothek bezeugt und überliefert.

Ausgangspunkt ist der 1795 entstandene, im Original erhaltene Bibliothekskatalog, der einen selten klaren Blick in die historische Struktur einer westfälischen Klosterbibliothek erlaubt. Auf seiner Grundlage werden alle noch auffindbaren Bücher weltweit identifiziert, ihr heutiger Standort dokumentiert und ihre Inhalte sowie ihre materielle Beschaffenheit untersucht: von Einbänden, Formaten und Nutzungsspuren bis hin zu Marginalien und Glossen, die Einblicke in Lektüregewohnheiten und Themenschwerpunkte bei den Studien der Liesborner Mönche geben können.

Da die Bestände der Abtei heute auf viele Bibliotheken Europas und der USA verstreut sind, verbindet das Projekt klassische Quellenarbeit mit modernen Methoden der digitalen Erschließung. Die systematische Transkription und Normdatenanreicherung des Katalogs schafft dafür die notwendige Datengrundlage.

Ziel ist nicht nur die Rekonstruktion der Liesborner Bibliothek in ihrem historischen Kontext, sondern auch ein vertieftes Verständnis der intellektuellen, theologischen und materiellen Dynamiken, die diese Sammlungsphase prägten. Die Ergebnisse bilden zugleich eine zentrale Grundlage für ein mögliches zukünftiges Rekonstruktionsprojekt in Kooperation mit dem Museum Abtei Liesborn. Das Projekt ist Teil einer Forschungskooperation zwischen dem Museum Abtei Liesborn und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

 

Anton Wilhelm Hüffer M.A., M.Sc. studierte Geschichtswissenschaften und VWL an der Humboldt-Universität zu Berlin und Business (BWL) an der Catholic University of America in Washington DC.