
Die Gründungslegende des Klosters Liesborn ist wohl eine der wirkmächtigsten und ausgeprägtesten Gründungserzählungen eines Klosters in Westfalen und dem Bistum Münster. Angeblich soll Karl der Große persönlich das Kloster als Frauenstift gegründet und seine Schwester Roswindis als erste Äbtissin eingesetzt haben. Je nach Erzählung wird zudem Papst Leo III. bei der Klostergründung mit involviert, wodurch eine Gründung um das Jahr 799 nahegelegt wird. Um den Wahrheitsgehalt dieser Gründungserzählung rankt sich ein jahrzehntelanger Forschungsdiskurs und es gibt verschiedene Versuche von Historikern und Heimatforschern, das Gründungsjahr möglichst genau zu bestimmen.
In dieser Abschlussarbeit wurde die Gründungslegende des Klosters in den Mittelpunkt der Untersuchung gerückt. Neben den Versuchen, die zunehmende Schriftlichkeit des Klosters in den Kontext der Zeit und Politik einzuordnen, soll die Konstruktion der Gründungslegende genauer untersucht werden. Ausgehend von der ersten Verschriftlichung der Legende im 15. Jahrhundert über die Rolle von Bernhard Wittes Historia Westphaliae bis hin zu Visualisierungen von Karl dem Großen als Klosterpatron in Gemälden und Statuen in der Klosterkirche werden die Entwicklung und der Wandel der Erzählung untersucht. Dabei wird auch analysiert, wie sich die Gründungslegende des Klosters Liesborn von anderen westfälischen Klöstern unterscheidet und welche Bedeutung die Legende im Laufe der Zeit für das Kloster hatte.
Jonathan Volkery B.A. studierte an der Universität Münster Geschichte und Mathematik im Zwei-Fach-Bachelor. Aktuell ist er im Masterstudium Geschichte und Mathematik.